Kongressrückblick 2026
Europäischer Gesundheitskongress München am 22. und 23. Oktober 2026 in München
DONNERSTAG
Eröffnung
Krisen, Zukunftsängste, schwindendes Vertrauen in die Politik und ein Sozialstaat, der zunehmend unter Druck gerät. Gerade jetzt brauche die Gesellschaft wieder Mut und Zuversicht. Dafür warb Kardinal Reinhard Marx zum Auftakt des 25. Europäischen Gesundheitskongresses München. „Wir können die Demokratie nicht ohne den Sozialstaat retten“, betonte der Münchner Erzbischof. Wenn Menschen nicht mehr daran glaubten, dass sich ihr Leben zum Besseren verändern könne, gerate auch das Vertrauen in die Demokratie ins Wanken. Kardinal Marx warb in seiner Rede für Solidarität und gemeinsame Verantwortung. „Wir brauchen einander“, sagte Marx. Sein Appell: „Gebt die Hoffnung nicht auf.“
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach nahm in der Eröffnungsveranstaltung auch die Politik selbst in die Pflicht. Mut bedeute, unbequeme Entscheidungen zu treffen und Widerstände auszuhalten. Vor allem aber müsse die Politik über Wahlperioden hinausdenken. „Wir werden akzeptieren müssen, dass wir das, was wir gesät haben, vielleicht nicht mehr persönlich ernten“, sagte Gerlach mit Blick auf langfristige Reformen und Prävention.
Wie viel Veränderung braucht der Sozialstaat?
Wie groß der Handlungsdruck ist, verdeutlichte Dr. Stefan Schöncke, Chefvolkswirt der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Seine These: „Unser Sozialstaat ist nicht zu klein, er ist ineffizient.“ Ohne grundlegende Reformen könnten die Sozialversicherungsbeiträge bis 2035 in Richtung 50 Prozent klettern. Für Schöncke steht fest: Nur wenn der Sozialstaat schlanker werde und seine Mittel gezielter einsetze, lasse er sich dauerhaft erhalten.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnte davor, bei Reformen die Akzeptanz der Bevölkerung zu verspielen. Wenn die Menschen die Lasten als ungerecht empfänden und nicht an den Erfolg der Maßnahmen glaubten, werde es schwer, notwendige Veränderungen durchzusetzen.
Dass das Gesundheitswesen seine Zukunft zu einem guten Teil selbst in der Hand hat, betonte Dr. Irmgard Stippler, Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern. Statt vorschnell Leistungen zu kürzen, müssten die Beteiligten vorhandene Reserven nutzen, besser zusammenarbeiten und eingefahrenes Revierdenken überwinden. „Wir haben sehr viel in der Hand“, sagte Stippler. Krankenkassen, Ärzteschaft und Krankenhäuser müssten gemeinsam handeln, statt die Verantwortung allein bei der Politik zu suchen.
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Zwischen Sparzwang und Strukturreform: Wohin steuert die GKV?
Mit einem eindringlichen Appell zu mehr Zusammenarbeit wandte sich DAK-Chef Andreas Storm gegen die zunehmenden Grabenkämpfe im Gesundheitswesen. Statt sich gegenseitig mit Vorwürfen und Protesten zu überziehen, müssten Krankenkassen, Ärzteschaft und Politik gemeinsam die großen Strukturreformen angehen. Storm forderte eine neue „konzertierte Aktion im Gesundheitswesen“. Nur gemeinsam lasse sich etwa ein funktionierendes Primärversorgungssystem aufbauen. Zugleich warnte Storm vor falschen Erwartungen an das Reformtempo: Bis zum Start eines solchen Systems dürften mindestens drei Jahre vergehen.
Unterstützung erhielt Storm vom CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek. Auch er plädierte dafür, die Akteure wieder an einen Tisch zu bringen, und erinnerte an die Corona-Pandemie, als plötzlich vieles möglich geworden sei, was zuvor als undenkbar galt. Die Politik müsse denjenigen, die Patienten versorgen, wieder mehr vertrauen und ihnen größere Spielräume lassen. „Die Versorgung der Menschen muss Priorität haben und nicht das Ausfüllen eines Formulars“, mahnte Holetschek. Wenn der Staat es nicht schaffe, eine verlässliche Gesundheitsversorgung zu sichern, stehe langfristig das Vertrauen der Menschen in die Demokratie auf dem Spiel.
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Brain Health - wieviel Prävention und Früherkennung ist möglich? Kostenverschiebung vom Bauch zum Kopf?
Um diese Frage ging es beim 25. Bayreuther Gesundheitsdialog. „Nationale Wissenschaftler haben vor kurzem eine Stellungnahme an die G7 übermittelt, dass Brain Health Priorität der G7 werden soll“, eröffnete Moderatorin Prof. Dr. Amelie Wuppermann, Lehrstuhl für VWL III an der Universität Bayreuth, die aktuelle Diskussion. Prof. Bertram Häussler, Senior Scientific Advisor am IGES Institut und bei der Athagoras Gruppe, zeigte, dass die Krankheitskosten für Erkrankungen des Nervensystems im Vergleich zu Bauchkrankheiten zunehmen. Zwar seien die Zahlen gefäßbedingter Demenzerkrankungen zurückgegangen, doch gebe es weiterhin zahlreiche Risikofaktoren, darunter Hörverlust, soziale Vereinsamung und den Einsatz künstlicher Intelligenz. „Demenz entsteht auch dadurch, dass man sein Hirn nicht ausreichend nutzt“, so Häussler.
Prof. Dr. Özgür Onur vom Zentrum für Gedächtnisstörungen der Uniklinik Köln betonte die Bedeutung einer frühen Diagnose. Gelinge es, den Beginn einer Demenzerkrankung um ein Jahr hinauszuzögern, wären über fünf Jahre zehn Prozent weniger Demenzfälle zu erwarten.
Corinna Beutel, Beauftragte des Vorstands für den Geschäftsbereich Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt, setzt auf Prävention: „Unser erstes Handlungsfeld ist, Wissen zu vermitteln, wie jeder seine Gesundheit selbst beeinflussen kann und als Krankenkasse konkret Angebote zu machen.“ Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Arbeitskreises Gesundheit, Pflege und Prävention der CSU-Landtagsfraktion im Bayerischen Landtag, sieht in der allgemeinen Prävention ein zu wenig zielgerichtetes Instrument: „Prävention ist die grobe Schrotflinte, da nimmt man Demenz nicht so richtig ins Visier.“ Bayern setze deshalb auf Forschung. Im Juli sei an der LMU das Zentrum für Kognitive Störungen gegründet worden.
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Zukunft der Pflege mutig gestalten: Wie KI und digitale Innovation Pflegebedürftige und Angehörige stärken
Dr. Thomas Pöppe, Geschäftsbereichsleiter Digitalisierung, IT und Prozesse bei der AOK Bayern, betonte in seiner Einführung die vielfältigen Möglichkeiten, die KI für Versicherte gerade im Bereich Pflege eröffne, aber auch für die Krankenkasse selbst. Seit Mitte des Jahres seien bereits fast 100.000 Fälle und Anträge mithilfe von KI vollständig und abschließend bearbeitet worden, von der Genehmigung bis zur Ablehnung. Alexandra Krist, Geschäftsbereichsleiterin Pflege bei der AOK Bayern, zeigte, wie proaktive Beratung Versicherte bereits im Vorfeld einer möglichen Pflegebedürftigkeit unterstützen könne. Möglich mache dies das Gesundheitsdatennutzungsgesetz. „Wir haben ein Prädiktionsmodell entwickelt, dass über einen Algorithmus Versicherte identifiziert, die schon einen Pflegebedarf haben könnten und somit einen erhöhten Informationsbedarf. Diese schreiben wir dann an.“ Technologie ersetze jedoch keinesfalls die Pflegeberatung.
Ihr Kollege Adrian Pascher, Bereichsleiter Prozesse und Innovation Pflege bei der AOK Bayern, demonstrierte digitale Lösungen auf dem Weg der Antragstellung und Begutachtung.
Markus Müller, Mitgründer und CEO der Nui Care GmbH, zeigte, wie digitale Begleiter Pflegebedürftige und insbesondere pflegende Angehörige im Alltag unterstützen können. Ein KI-Chatbot in der App könne bei Problemen direkt antworten und einen individuellen Pflegeplan erstellen. Zudem könnten sich pflegende Angehörige untereinander vernetzen.
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Neue Zeiten brauchen neue Biografien – Warum das Gesundheitswesen seine Vorstellung von „guter Karriere“ ändern muss!
Was können Krankenhäuser von anderen Branchen lernen? Eine ganze Menge, wie die Führungskräfte auf dem Podium anhand ihrer eigenen Berufswege zeigten. Dr. Georgia Borttscheller, Personalgeschäftsführerin des Klinikums Region Hannover, wechselte nach 13 Jahren in der Bankenwelt ins Gesundheitswesen und fühlte sich zunächst in die 1980er-Jahre zurückversetzt. Während die Medizin hochmodern sei, wirkten viele Verwaltungsabläufe wie aus der Zeit gefallen.
Doch wer von außen kommt, braucht nicht nur selbst Mut, sondern auch einen Arbeitgeber, der neue Perspektiven zulässt. Darauf verwies Monika Alke, Vorständin für Personal und Pflege am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die zuvor unter anderem bei Airbus und bei den Bremer Verkehrsbetrieben gearbeitet hatte. Ein Branchenwechsel verlange von beiden Seiten die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Wie schwer es sein kann, eingefahrene Strukturen aufzubrechen, verdeutlichte Jörg Schäfer von der Berliner Charité am Beispiel der Investitionen: Während Krankenhäuser Millionen für Medizintechnik ausgäben, könne es ein jahrelanger Kampf sein, vergleichsweise geringe Summen für digitale Personalprozesse durchzusetzen. Gerade deshalb brauche es Menschen mit anderen beruflichen Erfahrungen, die Gewohntes hinterfragen und Veränderungen anstoßen.
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Wer die Daten strategisch nutzt, gestaltet die Zukunft des Krankenhauses
„Die KI ist nett, aber eigentlich geht es doch um Daten“, brachte Prof. Dr. Sylvia Thun von der Berliner Charité die Debatte auf den Punkt. Die deutschen Universitätskliniken könnten inzwischen ihre Daten miteinander austauschen. Allein das Forschungsdatenportal Gesundheit umfasse mehr als 34 Millionen Patientendatensätze und drei Milliarden Laborwerte. Wie wertvoll das sein kann, zeigte sie an einem Beispiel: Mithilfe dieser Daten hätten Kinder- und Jugendmediziner festgestellt, dass bisher verwendete Laborreferenzwerte für Kinder nicht stimmten. Thun kritisierte zugleich, dass in Deutschland noch immer keine einheitlichen Maßeinheiten in den IT-Systemen verwendet würden. Dabei gehe es unmittelbar um die Patientensicherheit.
Wer soll künftig an den wertvollen Gesundheitsdaten verdienen? Diese Frage warf LMU-Klinikchef Prof. Dr. Markus Lerch auf. Krankenhäuser müssten viel Geld und Personal aufwenden, um ihre Daten für Forschung und Industrie nutzbar zu machen. Lerch verglich sie mit Winzern, die Trauben anbauen und zu Wein verarbeiten, bevor Händler das fertige Produkt verkaufen. „Kriegen die Produzenten und Veredler das Geld oder kriegen die Händler das Geld?“, fragte er. Bislang sei nicht geklärt, wie die Erlöse aus der Datennutzung verteilt werden sollen. Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, warnte unterdessen davor, dass kleinere Krankenhäuser bei der Digitalisierung abgehängt werden könnten. Als Vorbild nannte er die bayerische Klinik-IT-Genossenschaft, über die inzwischen rund 140 Krankenhäuser eine gemeinsame Plattform nutzen.
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KI in der Patientenversorgung Effizienzgewinn oder Anspruchsexplosion
„Kein Mensch investiert in Unberechenbarkeit“, kritisierte Dr. Francesco De Meo, CEO von Almax Doc, den gesundheitspolitischen Zickzackkurs in Deutschland. Nicht Datenschutz oder Technik seien die größten Hindernisse für KI-Innovationen, sondern ständig wechselnde Regeln. Dabei schaffe die künstliche Intelligenz längst Fakten: Patienten nutzten bereits KI-Chatbots, um medizinischen Rat einzuholen. De Meo setzt deshalb auf KI-gestützte Arzt-Avatare, die Beschwerden einschätzen und Patienten durch die regionalen Versorgungsangebote lotsen sollen. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht forderte unterdessen einen radikaleren Kurs bei der KI. „Wenn wir Disruption durch KI im Medizinbereich zulassen wollen“, müssten auch die bisherigen Strukturen infrage gestellt werden.
Auch Stefan Schellberg von der IKK classic drängte auf mehr Tempo. Das geplante Gesundheitsdatengesetz halte mit der rasanten technischen Entwicklung nicht Schritt. Er warnte, dass sich Versicherte andernfalls zunehmend an ChatGPT oder Google Gemini wenden könnten, außerhalb der regulierten Versorgung Zudem würden die Krankenkassen als Partner für neue Versorgungsmodelle zu wenig berücksichtigt. Dr. Thomas Huber vom Bayerischen Gesundheitsministerium plädierte dafür, Innovationen auch dann einzuführen, wenn sie noch nicht perfekt seien. Als Beispiel nannte er die elektronische Patientenakte, die derzeit kaum mehr als eine digitale Aktensammlung sei, sich aber zu einem „Gesundheitscockpit“ entwickeln könne. De Meo brachte die Gefahr übertriebener Gründlichkeit auf eine zugespitzte Formel: „Präzision kann am Ende nichts anderes sein als eine sauber dokumentierte Verspätung.“
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Gesundheitswirtschaft als Kostenfaktor oder Zukunftsindustrie?
Eine spannende Frage und zugleich „Deutschlands strategisches Dilemma“, so der Untertitel dieser Session. „Wir brauchen dringend eine starke Gesundheitsindustrie und Gesundheitswirtschaft und gleichzeitig müssen wir es schaffen, die immer teurer werdenden innovativen Arzneimittel den Bürgerinnen und Bürgern auch zu ermöglichen“, eröffnete Moderator Prof. Dr. Andreas Beivers, Professor für Volkswirtschaftslehre und Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius, die Diskussion.
Dr. Matthias Meergans vom Verband der forschenden Arzneimittelhersteller diagnostizierte eine Stagnation des Forschungs- und Entwicklungsstandorts Deutschland. Fortschritte seien nur noch mit dem Elektronenmikroskop zu erkennen. Das Medizinforschungsgesetz beginne zwar langsam zu greifen, doch der Wettbewerb sei deutlich härter geworden. „Wir sind klasse bei der Grundlagenforschung, fallen aber bei der Translation ab.“ Nun gelte es, dieses „Valley of Death“ gemeinsam zu überwinden. Das Kernproblem sei das „einfach mal machen“. Das sei „nicht unsere deutsche Stärke“, so Meergans. Um die eigenen Chancen besser zu nutzen, brauche es Mut und Optimismus: „Wir haben hohes Potenzial und einiges zu bieten!“.
Auch Prof. Dr. Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, sieht Deutschland und Europa bei Tempo und Skalierbarkeit im Rückstand. Beides sei für Forschung und Innovation unabdingbar. In seiner Behörde habe ein grundlegender Wandel stattgefunden: „Vor 20 Jahren, haben wir uns am BfArM als Verbraucherschützer gesehen und nie geguckt, wo das Innovationspotenzial ist. Hauptsache es passiert uns nichts und wir kommen nicht in die Presse.“ Heute arbeite das BfArM partnerschaftlich mit der Industrie zusammen und baue Hürden ab. „Damit wir weiterkommen.“
Thomas Czihal, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, vermisste eine wichtige Dimension in der Diskussion: „Weil die vertragsärztliche, vertragspsychotherapeutische Versorgung auch soziale Infrastruktur ist, ist es natürlich an der einen oder anderen Stelle auch gerechtfertigt, Kostenfaktor zu sein.“ Dr. Bernhard van Treeck, unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses, nahm die Politik in die Pflicht. Er forderte eine Strategie, die auch kommuniziert werden müsse. Immer wieder greife die Politik auf andere Finanzierungstöpfe zurück, wenn ihr Geld fehle. So lasse sich kein Controlling betreiben. Sein Appell: „Wenn man Pharma fördern möchte, was ich sehr gut fände, dann legt das Geld irgendwohin, aber nehmt es nicht von der GKV“.
Frank Sieren, Wirtschaftsjournalist und China-Experte, empfahl, zunächst zu prüfen, wo man „ohne die Politik weiterkommen oder sich ertüchtigen“ könne. „Es läuft einem sonst die Zeit davon“. China sei weltweit führend in seiner Offenheit für Innovationen. Selbst ein Kohlkopf werde dort heute von einer 92-Jährigen bargeldlos per WhatsApp gekauft. Was also lässt sich von China lernen? „Das Spielen in den freien Raum, das Ausprobieren, Try and Error und der Spaß, neue Wege zu gehen.“ Sieren fragt chinesische Innovatoren gern, ob sie sicher seien, dass eine neue Idee funktionieren werde. Die Antwort: Das wissen wir nicht, deswegen probieren wir es ja aus.
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Prävention mutig gedacht: Was Kindern und Belegschaften wirklich hilft
„Diskutieren Sie mutig, denn wenn ich eines nicht mag, sind es zahllose Sonntagsreden und große Worte. Wir wollen uns hier nicht gegenseitig beweihräuchern, wir wissen, dass Herausforderungen da sind, deswegen lassen Sie uns überlegen, was wirklich verändert werden kann“, eröffnete Moderator Prof. Dr. med. habil. Jörg Schelling von der Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Martinsried und Beauftragter für Forschung und Lehre des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes die Session.
Dr. Michael Hubmann, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Präsident des BVKJ e. V., warnte davor, Errungenschaften als selbstverständlich zu betrachten. „Bei allen Streitereien in der Gesundheitspolitik müssen wir immer daran denken, dass wir in einer Demokratie leben.“ Die Kinder- und Jugendvorsorgeuntersuchungen seien das am stärksten genutzte Präventionsprogramm. Gleichzeitig litten Kinder unter sozialer Benachteiligung, zudem nehme Adipositas epidemische Ausmaße an. „Unseren Kindern gehört die Zukunft. Da müssen wir endlich eine Politik machen, die das lebende Gesundheitssystem auch in der Rentenpolitik und in der Klimapolitik ernst nimmt.“ Uwe Hott, leitender Betriebsarzt bei der Krones AG, gab zu bedenken, dass Prävention häufig auf einzelne Kurse oder Kampagnen reduziert werde. Entscheidend sei jedoch, dass ein passendes Angebot die Menschen im richtigen Moment erreiche. So habe Krones Mitarbeitenden aus der Produktionszone Entspannungsangebote mit einem Coach gemacht, der selbst aus der Produktion komme. Damit habe das Unternehmen mehr Menschen erreicht als mit klassischen Präventionskursen.
Klaus Holetschek, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, bezeichnete den Masterplan für Prävention in Bayern als „den richtigen Weg“. Zugleich sei Prävention eine Frage der Eigenverantwortung und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Staat könne nicht „überall als Nanny danebenstehen“ und den Menschen alles abnehmen. Es brauche einen solchen Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik.
Ute Opritescu, Leiterin Arbeitsumfeld bei MAN Truck & Bus SE, plädierte dafür, Prävention bereits im Kindesalter zu beginnen. Viele junge Beschäftigte kämen erst nach dem Studium in den Betrieb. Dann sei es für einen frühen Einstieg in die Prävention bereits spät. Dr. Ralf Langejürgen, Vorstand des BKK Landesverbands Bayern, forderte einen Präventionsansatz, der alle Lebensphasen umfasst: „Was wir bräuchten, wäre ein Präventionspfad, der sich von den Kindesbeinen bis ins hohe Alter zieht.“ Dazu gehöre auch, Facharztgrenzen zu überwinden.
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Was gehört zur guten Versorgung? Bedarf es einer Neujustierung des GKV-Leistungskatalog und der Versicherungsverträge?
„Wir sollten der Bevölkerung das Versprechen geben, dass wir nicht weniger Medizin machen, sondern mehr von der richtigen“, mahnte Prof. Christian Karagiannidis an. Er plädierte dafür, unwirksame Therapien konsequenter zu aus dem GKV-Leistungskatalog herausnehmen, um eine echte Rationierung künftig zu vermeiden. Der Gesundheitsökonom Prof. Stefan Felder von der Universität Basel widersprach der Hoffnung, allein damit ließen sich die Finanzprobleme lösen. Seit Jahrzehnten sei bekannt, wie viel unnötige Medizin erbracht werde, ohne dass sich daran grundlegend etwas geändert habe. Er warb dafür, „etwas ehrlicher“ und „etwas entspannter“ über Rationierung zu sprechen.
Christina Ruckert von der AOK Bayern hielt dagegen. Bevor über Leistungskürzungen oder höhere Eigenanteile gesprochen werde, müsse das Gesundheitswesen seine erheblichen Probleme bei der Patientensteuerung lösen. Krankenkassen müssten Versicherte gezielter auf sinnvolle Versorgungsangebote hinweisen und gemeinsam mit den Leistungserbringern verlässliche Wege durch das System schaffen. Auch Prof. Andrew Ullmann, Arzt und ehemaliger FDP-Bundestagsabgeordneter, forderte einen grundlegenden Strukturwandel. Gute Versorgung bedeute nicht, möglichst viele Leistungen zu erbringen, sondern die richtige Behandlung zur richtigen Zeit am richtigen Ort anzubieten. Dazu gehöre auch, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken und andere Gesundheitsberufe stärker einzubinden.
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Innovative transsektorale Notfallmedizin – Inzentivierung, Steuerung, Abweisung
Patienten schneller in die richtige Versorgung zu bringen, ist eines der zentralen Ziele der Notfallreform. Doch mit einer Ersteinschätzung allein ist es nicht getan. Entscheidend ist auch, was anschließend mit den Patienten geschieht. Welche Risiken entstehen, wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert, zeigte der Medizinrechtler Prof. Dr. Dr. Christian Dierks. Er warnte vor erheblichen Haftungsrisiken, wenn Einrichtungen Patienten weiterleiten, ohne Zuständigkeiten und die Übergabe medizinischer Informationen klar zu regeln. Sein Rat: „Medizinische Dringlichkeit geht vor Systemtreue.“
Wie konsequente Patientensteuerung aussehen kann, zeigte Dr. Yara Basta-Bos von der Niederländischen Gesellschaft für Notfallmedizin. In ihrem Land suchten lediglich fünf Prozent der Notaufnahme-Patienten die Klinik ohne vorherige Zuweisung auf. Dabei gebe es in den Niederlanden nur vier Notaufnahmen pro Million Einwohner, in Deutschland dagegen 22. Hausärztliche Bereitschaftspraxen seien häufig direkt neben den Notaufnahmen angesiedelt, sodass sich Ärzte bei Bedarf auf kurzem Weg abstimmen könnten. Wer keine Notfallbehandlung benötige, werde nicht einfach weggeschickt: Das Personal vereinbare möglichst noch für denselben Tag einen Hausarzttermin. „We're only as strong as our weakest link“, betonte Basta-Bos.
Für Dr. Christian Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, ist klar: „Die Ersteinschätzung muss für alle gelten und verbindlich sein.“ Dass Patienten eine solche Steuerung akzeptieren, zeigten bayerische Befragungen. Zugleich kritisierte Pfeiffer die vorgesehene Finanzierung der Notfallreform: Es sei ein „Unding“, dass die Ärzteschaft 20 Prozent der Kosten tragen solle. Auch den geplanten aufsuchenden Dienst rund um die Uhr hält er weder für notwendig noch für wirtschaftlich tragbar.
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Im Nebel der Versorgung: Krankenhausmanagement zwischen Planung und Alltag
Melanie John, Regional-Geschäftsführerin Süd der Sana Kliniken AG, wünschte sich eine Glaskugel, um in die Zukunft blicken zu können. „Egal in welcher Region oder in welcher Trägerschaft wir unterwegs sind, wir teilen gerade die gleichen Schwierigkeiten.“ Das Schlimmste sei jetzt, abzuwarten, was komme. „Man muss jetzt den Mut zur Entscheidung mitbringen und unangenehme Konzentrationsprozesse vorwegnehmen, bevor es einem aus der Hand genommen wird.“ Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern AG, bezeichnete die Hybrid-DRG als „weitere Nebelkerzen“. „Vom Pflegebudget will ich noch gar nicht reden.“ Mut zur Veränderung setze klar definierte und verlässliche Rahmenbedingungen voraus.
Claus Rauschmeier, Geschäftsführer und Prokurist der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau, sprach von einem „Nebel, den wir nicht mehr beherrschen.“ Die Instrumente müssten endlich funktionieren. „Damit wir wissen, wo wir hingehen sollen“. Martin Neumeyer, Landrat a. D. und Landtagsabgeordneter a. D., berichtete von den emotionalen Reaktionen der Bürgerinnen und Bürger auf den Umbau der Kliniklandschaft: „Da wirst Du bei Facebook vorgeführt wie ein Verbrecher. Du stellst Dich der Situation, aber die Reform ist den Menschen nicht mehr erklärbar.“ Bayern spiele sonst immer in der Champions League, „bei diesem Thema sind wir E-Klasse.“
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Der blinde Fleck der Krankenhausresilienz: Warum kritische Versorgungsketten oft unterschätzt werden
„Drehen Sie sich nicht um und sagen Sie mir mal, wo der Notausgang ist“, begann Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm, seinen Impulsvortrag. Die Frage verdeutliche, dass angesichts globaler Bedrohungen „unser ziviles Leben gefährdet ist“, so Kaisers. Der Krieg in der Ukraine sei nur anderthalb Flugstunden entfernt. Als Gesundheitseinrichtungen „müssen uns darauf vorbereiten, in schwierigen Lagen funktionsfähig zu bleiben“. Das Gesundheitssystem sei stark „auf ökonomische Effizienz getrimmt“, was nun den Aufbau von Widerstandsfähigkeit erschwere. Die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems hänge maßgeblich von der Logistik ab. Kaisers regte deshalb eine Debatte über „intelligentes De-Risking“ an.
Dr. Hans-Ulrich Holtherm, Generalstabsarzt und Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München, führte eindrücklich vor Augen, dass Russland gegen die NATO und insbesondere Deutschland einen Schattenkrieg führe. „Wir sind nicht mehr im Frieden“, so Holtherm. Nun brauche es dringend das Gesundheitssicherstellungsgesetz, um länderübergreifende Krisenszenarien zentral steuern zu können. „Wir sind noch in einer guten Situation, müssen uns unserer Stärke bewusst werden, Verantwortung übernehmen und Mut haben“, betonte er. „Nur wenn wir stark sind, nicht nur im Bereich des Militärs, sondern auch im Bereich des gesellschaftlichen Zusammenhangs, und der Zivilverteidigung, dann greift uns auch keiner an.“
Wie Krisenresilienz und Regionalität gelingen können, zeigte Stephan Richtzenhain, Geschäftsführer der Sitex GmbH. Das Unternehmen sichert an 25 Standorten die Wäscheversorgung für knapp 40 Prozent der deutschen Krankenhausbetten. „Ohne Wäsche kann eine Klinik den Betrieb nach wenigen Tagen einstellen“, so Richtzenhain. Sitex habe deshalb ein einheitliches Notfall- und Krisenmanagementsystem entwickelt, das die gegenseitige Absicherung bei Ausfällen gewährleiste. So könne die Wäscheaufbereitung bei einem Hackerangriff vollständig offline erfolgen. „Jeder von uns muss an seiner Wirkungsstätte ein bisschen dran arbeiten, dass unsere Gesellschaft widerstands- und verteidigungsfähig wird“, so Richtzenhain. „Das ist meine staatsbürgerliche Pflicht als Unternehmer, auch wenn kein Gesetz mich dazu zwingt.“
Wie machen es andere Länder? Moderator Sven C. Preusker, freier Journalist und Autor, stellte Finnland als Beispiel für gelungene Krisenresilienz vor. Dort sei das Gesundheitssystem darauf ausgelegt, im Alltag effizient zu arbeiten und im Kriegsfall ohne großen Zeitverlust oder grundlegende Systemumstellungen in einen Verteidigungs- und Notfallmodus zu wechseln. „Gesundheitsversorgung wird in Finnland nicht isoliert betrachtet, sondern als integraler Bestandteil der gesamtgesellschaftlichen Sicherheitsarchitektur, in der Behörden, Streitkräfte, Wirtschaft und Zivilgesellschaft eng zusammenarbeiten“, erläuterte Preusker. Dieses Konzept sei gesetzlich verankert.
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Rote Zahlen trotz hohem Bedarf – Was läuft schief?
Die Krankenkassen geben immer mehr Geld für Krankenhäuser aus, dennoch schreiben viele Kliniken rote Zahlen. Für den Gesundheitsökonomen Prof. Boris Augurzky liegt darin ein grundlegendes Problem: Über Jahre habe die Politik die Kosten im Gesundheitswesen durch immer neue Vorgaben nach oben getrieben, während die Produktivität gesunken sei. Das Defizit werde nun wie eine „heiße Kartoffel“ zwischen Krankenkassen, Krankenhäusern, Beitragszahlern und Kommunen weitergereicht. Kleiner werde es dadurch nicht. Augurzky plädierte deshalb für mehrjährige Budgets, klare Versorgungsziele und deutlich mehr Entscheidungsfreiheit vor Ort. Auch Christina Leinhos, stellvertretende Geschäftsführerin der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, forderte weniger Regulierung. Zwei Drittel der bayerischen Kliniken schrieben rote Zahlen. Zugleich müssten sie steigende Anforderungen erfüllen, ohne dass diese ausreichend finanziert würden. „Wir müssen runter mit den Regularien, sonst kommen wir nicht weiter“, mahnte sie.
Dr. Jürgen Malzahn vom AOK-Bundesverband sah weiterhin erhebliche Effizienzreserven im . Deutschland leiste sich zu viele Krankenhausstandorte, die bestimmte komplexe Eingriffe nur selten durchführten. Er warnte davor, die Krankenhausreform durch zahlreiche Ausnahmen bei der Zuweisung von Leistungsgruppen auszuhöhlen. Vor allem müsse die Vorhaltefinanzierung am tatsächlichen Versorgungsbedarf ausgerichtet werden. „Planung und Finanzierung müssen Hand in Hand gehen“, forderte Malzahn. Wie teuer die bestehenden Regeln sind, zeigte Prof. Achim Jockwig vom Klinikum Nürnberg an einem Beispiel: Allein für die Krankenhausabrechnung und die Auseinandersetzungen mit dem Medizinischen Dienst gebe sein Haus jährlich rund 15 Millionen Euro aus. Geld, das aus seiner Sicht keinen Beitrag zur Patientenversorgung leiste.
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Ist die psychotherapeutische Versorgung in Gefahr?
Mehr Psychotherapeuten, aber weiterhin lange Wartezeiten: Dr. Bernhard van Treeck, unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), stellte die Frage, ob die vorhandenen Therapieplätze tatsächlich diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen. Seit 1975 sei die Zahl der ambulant tätigen Psychotherapeuten massiv gestiegen, dennoch bestünden viele Versorgungsprobleme fort. Van Treeck forderte deshalb, Patienten stärker nach ihrem medizinischen Bedarf zu steuern. Die geplante extrabudgetäre Vergütung dringlicher Akutbehandlungen allein reiche dafür nicht aus. „Ohne echte Patientensteuerung keine Verbesserung“, lautete seine Kernbotschaft.
Dr. Claudia Ritter-Rupp, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), warnte dagegen eindringlich vor den Folgen der geplanten Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen. Der Bedarf wachse, während die Politik die finanziellen Spielräume der Praxen einschränke. Sie befürchtete, dass die Budgetierung die Aufnahme neuer Patienten erschwert, die Niederlassung für den Nachwuchs unattraktiver macht und langfristig höhere Kosten durch chronische Erkrankungen und Arbeitsausfälle verursacht. Ihr Fazit: „Honorarkürzungen gefährden die psychotherapeutische Versorgung!“
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FREITAG
Leistungsgruppen: Jetzt wird’s ernst
Die Krankenhausreform geht in Bayern in die entscheidende Phase. Bei der Prüfung der 3.667 beantragten Leistungsgruppen erfüllte zunächst rund ein Viertel die gesetzlichen Qualitätsanforderungen nicht, berichtete Dr. Christine Adolph, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bayern. Häufigster Grund sei fehlendes Fachpersonal gewesen. Allerdings hätten zahlreiche Kliniken bereits erfolgreich nachgebessert. Wie widersprüchlich die Prüfverfahren ausfallen können, zeigte Philipp Letzgus von Lohfert & Lohfert anhand zweier Beispiele aus Schleswig-Holstein: Ein Maximalversorger mit 13 Fachärzten erhielt wegen unzureichender Nachweise ein negatives Gutachten, eine kleine Belegklinik dagegen trotz fragwürdiger Angaben ein positives. Letzgus forderte deshalb, die handwerklichen Fehler der Leistungsgruppensystematik dringend zu beseitigen.
Herwig Heide vom Bayerischen Gesundheitsministerium kündigte unterdessen an, dass auch Kliniken, die sämtliche Voraussetzungen erfüllen, nicht automatisch einen Versorgungsauftrag erhalten. Zugleich werde Bayern Ausnahmen zulassen, um insbesondere Notfallversorgung, Geburtshilfe und Pädiatrie in der Fläche zu sichern. Manche Qualitätsvorgaben seien „schlicht und ergreifend so nicht sinnvoll umsetzbar“, räumte Heide ein. Bis Jahresende sollen alle Zuteilungsbescheide verschickt werden. Dr. Peter Indra von der Schweizer Sanitas Management AG mahnte derweil, über den deutschen „Detailversessenheit“ nicht das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. „Ein Leistungsauftrag ist noch kein Beweis für gute Behandlungsergebnisse“, warnte er. Entscheidend sei, welche Aufgabe ein Krankenhaus im regionalen Versorgungsnetz erfüllen solle und ob Patienten tatsächlich besser behandelt würden. Leistungsgruppen könnten die dafür notwendigen politischen Entscheidungen nicht ersetzen.
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Wie können mutige Regulierung und politische Führung sinnvolle Verbesserungen im Gesundheitswesen vorantreiben.
Dass erfolgreiche Reformen mehr brauchen als neue Gesetze, zeigte der Blick nach Estland, Dänemark und Bahrain. Pille Banhard von der estnischen Krankenkasse Tervisekassa betonte, wie wichtig ein klar definiertes Reformziel sei, das alle Beteiligten verstehen und mittragen. Einzelne Schritte könnten auf dem Weg dahin durchaus angepasst werden, solange die Richtung stimme.
Birgitte Drewes von der dänischen Behörde für Patientensicherheit rückte das Vertrauen der Bevölkerung in den Mittelpunkt. „Die Menschen müssen wissen, welche Leistungen das Gesundheitssystem bietet, was von ihnen selbst erwartet wird und was sie umgekehrt vom Gesundheitssystem erwarten können.“ Dazu brauche es klare Regeln. Zugleich warnte Drewes vor zu vielen politischen Eingriffen. Es brauche „mutige politische Führung, aber auch die Geduld, zu sagen: Jetzt müssen wir dem System die Ruhe geben, die Reform umzusetzen.“
Shaikha Salah Al-Ahmed vom Obersten Gesundheitsrat Bahrains berichtete, wie ihr Land sein Gesundheitswesen grundlegend umgebaut und dabei Finanzierung und Zuständigkeiten neu geordnet hat. „Wir wussten nicht, welche Ergebnisse die Reform bringen würde. Aber die politische Führung war bereit, das Risiko einzugehen und Verantwortung zu übernehmen.“
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1.841 Kliniken, 1.841 digitale Systeme? Deutschland im internationalen Vergleich der Krankenhausdigitalisierung
Dr. Nora Zetsche, Head of Digital Care bei der Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA, beklagte, dass Deutschland bei der Digitalisierung noch immer Schwierigkeiten habe. „Da klopft man sich auf die Schulter, wenn man ein Fax durch eine E-Mail ersetzt hat“. In der Gesundheitsbranche werde Digitalisierung noch zu fragmentiert gedacht und auf einzelne Lösungen beschränkt. Die Versorgung könne nur besser und kostengünstiger werden, wenn Digitalisierung als „Mittel zum Zweck“ eingesetzt werde.
Hannah Gilles, Geschäftsführerin des RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, unterstrich die Bedeutung übergreifender Netzwerke und des Austauschs von Daten und Wissen. Nur so lasse sich eine gute Gesundheitsversorgung über Generationen hinweg sichern. „Wir müssen weg von den Insellösungen“. Theresia Fuchs, VP Sales Europe bei Aimbient, sieht nicht in der Vielfalt der digitalen Systeme die größte Herausforderung, sondern darin, „dass es uns gelingt, daraus Nutzen zu ziehen, und die Versorgung besser zu machen.“
Wie es anders gehen kann, erläuterte Soren Sünksen, Partner bei not a box in Dänemark. Er berichtete von der umfassenden Transformation des dänischen Gesundheitssystems. Die Zahl der Krankenhäuser sei von 130 in den 1970er Jahren auf heute 21 reduziert worden. „Wir haben spezialisierte Zentren aufgebaut.“ Zugleich seien die Digitalisierung vorangetrieben und Investitionen in Technologie getätigt worden. „Der Patient ist heute Konsument, er trägt das Wissen über seine Erkrankung in der Tasche in einer App“. Das sei ein Kulturwandel.
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Versorgung ohne Wartezimmer: Von der Behandlung zur Begleitung
Telemedizin, insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen, stand im Mittelpunkt dieser international besetzten Session. Katrin Bonnet, Head of Sales & Marketing bei der SHL Telemedizin GmbH, veranschaulichte am Beispiel eines fiktiven Herzpatienten, wie Telemedizin Menschen mit Unterstützung von Coaches kontinuierlich begleiten kann. „Nicht die Kontrolltermine beim Arzt sind für Chroniker das Problem“, so Bonnet, „sondern die Lücken dazwischen. Diese füllt Telemedizin.“ Telemonitoring könne zudem die Zahl der Klinikaufenthalte und sogar die Sterblichkeit senken.
Dr. Aditi U. Joshi, Gründerin von Ardexia, ist Notfallmedizinerin aus den USA und lebt in Frankreich. Sie berichtete, dass „76 Prozent der Patienten mit Hilfe von Telemedizin einen Termin wahrnehmen, den sie sonst nicht einmal bekommen hätten.“ Das größte Hindernis in den USA seien die Ärztinnen und Ärzte selbst. Für sie stelle Telemedizin häufig einen Eingriff in ihre Unabhängigkeit dar.
Das Chronikermanagement in Dänemark beleuchteten zwei weitere Panelisten. Anders Nejsum, Gründer und CEO von VISIKON ApS, stellte die Online-Plattform VISIKON vor, die anhand leicht verständlicher und klinisch validierter Visualisierungen den gesamten Behandlungsablauf im Krankenhaus erläutert, vom Erstgespräch bis zur Krebsoperation. So ließen sich Unsicherheiten reduzieren und Anrufe vermeiden. Die Patienten nähmen das Angebot begeistert an. Entwickelt wurde die Plattform im Rahmen des Projekts „Smart Clinic“. „Es hat die ambulante Versorgung in unserer Region grundlegend verändert. Patienten werden nicht mehr routinemäßig einbestellt“, berichtete Anne Nistrup, Head of the Qualitative Team in the Research Department am Zealand University Hospital. Entscheidend sei, die Implementierung auch als kulturellen Prozess zu verstehen. „Unsere Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsmitarbeiter übernehmen während dieser Transformation unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Aufgaben. Eine solche Transformation darf daher nicht nur als technisches Projekt betrachtet werden.“
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Steuern ohne zu bevormunden - Wie Anreizsysteme Verhalten im Gesundheitswesen formen
Wer Menge bezahlt, bekommt Menge“, brachte Prof. Christian Karagiannidis das Grundproblem der Vergütung im Gesundheitswesen auf den Punkt. Als Beispiel nannte er die Hybrid-DRG. Karagiannidis plädierte deshalb dafür, Vergütungssysteme grundsätzlich neu zu denken und stärker an regionalen Bevölkerungsbudgets auszurichten. Dann hätten Krankenhäuser auch einen finanziellen Anreiz, Erkrankungen vorzubeugen und unnötige Aufnahmen zu vermeiden.
„In Zeiten sehr begrenzter Ressourcen sollten wir sehr genau prüfen, wo und wie wir Prävention einsetzen“, mahnte Dr. Matthias Krisam, Geschäftsführer von MITTIIQ. Den größten Nutzen versprächen Maßnahmen, bei denen die verantwortlichen Akteure auch selbst unmittelbar von den Ergebnissen profitierten. Krisam warb damit für gezieltere Anreize statt pauschaler Vorgaben, Geld für Prävention auszugeben. Dr. Matthias Krisam, Geschäftsführer von MITTIIQ, hinterfragte unterdessen den oft beschworenen Nutzen der Prävention. Wie sich Menschen ohne Zwang zu einem sinnvollen Verhalten bewegen lassen, beleuchtete Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Statt Freiheiten einzuschränken, sollten Anreize so gestaltet sein, dass sie sich angenehm anfühlten und Menschen ihnen gerne folgten. Die größte Herausforderung sei allerdings, die unterschiedlichen Interessen der Akteure im Gesundheitswesen unter einen Hut zu bringen.
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Umbau ohne Zielbild – Die Zukunft der Krankenhausversorgung zwischen Abbau, Ambulantisierung und neuer Unübersichtlichkeit
„Deutschland hat gar kein Krankenhausproblem, sondern ein Strukturproblem im gesamten Gesundheitssystem“, stellte Dr. Dirk Elmhorst, Geschäftsführer von MEDIQON, fest. Er warnte davor, die Potenziale der Ambulantisierung zu überschätzen. Während eine viel zitierte Studie davon ausgehe, dass 57 Prozent der stationären Fälle ambulant versorgt oder vermieden werden könnten, komme seine Analyse für Bayern auf rund 40 Prozent. Doch auch darunter seien viele Patienten, die nur wegen Defiziten in der ambulanten Versorgung oder Pflege im Krankenhaus landeten. „Raus damit, raus damit – ja, wohin denn bitteschön?“, fragte Elmhorst. Gerade in ländlichen Regionen drohten gleichzeitig immer mehr Hausarztsitze unbesetzt zu bleiben. Statt immer neuer Einzelreformen brauche es eine gemeinsame Planung von Krankenhäusern, Praxen und Pflege.
Wie ein Umbau konkret aussehen kann, zeigte Prof. Dr. Lars Timm von der Hochschule Fresenius anhand der Krankenhäuser in Bingen und Geesthacht. Dort habe man nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten beziehungsweise Insolvenzen das stationäre Angebot grundlegend verändert, Abteilungen geschlossen und ambulante Versorgung ausgebaut. Timm warnte davor, solche Entscheidungen zu lange hinauszuzögern. Dr. Peter Indra von der Schweizer Sanitas Management AG verglich Reformen ohne klares Ziel mit einer Segelfahrt ohne Zielhafen: Man komme zwar voran, aber nicht unbedingt dort an, wo man hinwolle. Ein konkretes Gegenmodell präsentierte Ward Bijlsma vom niederländischen Klinikunternehmen Equipe Zorgbedrijven. Dort übernehmen spezialisierte ambulante Zentren inzwischen einen wachsenden Teil der fachärztlichen Versorgung. Seine Einrichtungen arbeiteten nach eigenen Angaben bei vergleichbaren Behandlungsergebnissen rund zehn bis 15 Prozent günstiger als Krankenhäuser. Entscheidend seien eingespielte Behandlungsteams, standardisierte Abläufe und die konsequente Messung der Ergebnisse.
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Mut zur Umsetzung: Wie Innovation schneller und qualitätsgesichert in der Versorgung ankommt
„Die Therapie hat mir mein Leben zurückgegeben“, so die Worte einer jungen Frau mit schwerer Neurodermitis. Mit diesem Beispiel eröffnete Prof. Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, seinen Impulsvortrag. „Eine Innovation ist nur dann eine Innovation, wenn sie in der Versorgung ankommt und einen patientenrelevanten Nutzen hat“, betonte Augustin. Doch auf dem Weg von einem zugelassenen, erhältlichen und verordnungsfähigen Präparat bis zu seiner tatsächlichen Anwendung gebe es erhebliche Hürden. „Darüber müssen wir reden“.
Dr. Thyra C. Bandholz, Vizepräsidentin des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen e. V., forderte mehr Mut zur Umsetzung. „Bisher ist die Sorge der Ärzte vor einem Regress, wenn sie eine hochpreisige Therapie zu verordnen, eine echte Innovationsbremse“. Es brauche den Mut, Strukturen so zu verändern, dass Qualität und Geschwindigkeit gleichermaßen gewährleistet seien. Carolin Daamen, Senior Medical Director Inflammation & Autoimmunology (IAI) bei der Incyte Biosciences Germany GmbH, bestätigte „aus Pharma-Sicht“, dass Dermatologen, die innovative Therapien einsetzen möchten, immer wieder Sorge um ihr Budget und Angst vor Regressen hätten.
Alfred Kindshofer, Geschäftsführer der Barmer Landesvertretung Bayern, hält die Regressangst für unbegründet. Die Zahl der Fälle, die in die Wirtschaftlichkeitsprüfung gingen, sei im Verhältnis zur Gesamtzahl der Behandlungsfälle verschwindend gering. „Und vielleicht muss sich ein Arzt auch mal gefallen lassen, dass man hinterfragt, ob sein Ansatz richtig war.“ Martin Degenhardt, Geschäftsführer der Freien Allianz der Länder-KVen (FALK) in Berlin, warf eine aus seiner Sicht noch wichtigere Frage auf: Haben Patienten überhaupt Zugang zu einem Arzt? „Da sehe ich in der Dermatologie ein riesiges Problem, weil die Dermatologen die Möglichkeit haben, sich außerhalb der Kassenmedizin zu verabschieden.“
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Rosinenpicker oder Stabilitätsanker? Trägervielfalt im Krankenhaus realistisch betrachtet
„Wir haben im Vorfeld dieser Veranstaltung noch ein bisschen dafür gesorgt, dass auch vermeintliche Rosinenpicker und vermeintliche Stabilitätsanker vertreten sind“, eröffnete Prof. Dr. Heinz Lohmann, Gesundheitsunternehmer bei der GWBG Gesundheitswirtschafts-Beteiligungs-Gesellschaft mbH, die Session. Alexander Schmidtke, Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest gGmbH, schilderte in seinem Impulsvortrag die Herausforderungen, die mit der Rolle als Anker der medizinischen Versorgung über die Grenzen der Landkreise Böblingen und Calw hinaus verbunden seien. Das Leitmotiv: öffentlich getragen, unternehmerisch geführt. „Es geht letztlich darum, den Träger, den Gesellschafter vernünftig, inhaltlich mitzunehmen, ihm auch aufzuzeigen, wo die Chancen und die Risiken sind.“
Die Perspektive aus der Schweiz brachte Florian Wanner, Sekretär der Schweizerischen Belegärzte-Vereinigung, ein. Er kritisierte die Mehrfachrolle der Kantone: „Sie beaufsichtigen und vergeben Leistungsaufträge, aber sie betreiben halt auch die Spitäler“. Das führe zu Fehlanreizen und Wettbewerbsverzerrungen. Dr. Tim Guderjahn, kaufmännischer Geschäftsführer der München Klinik gGmbH, konnte sich mit dem Begriff „Rosinenpicker“ nicht anfreunden. Jeder Träger habe seine Besonderheiten. Kommunale Häuser seien zudem häufig politischen Einflussnahmen ausgesetzt, „die es für einen kommunalen Träger nicht so einfach macht, frei und agil zu skalieren, wie ich jetzt den privaten Sektor kenne.“
Robert Möller, designierter Leiter der Konzern-Vorstandsbüros der Fresenius Management SE, merkte an, dass er das Wort „Rosinenpicken“ lange nicht mehr gehört habe. „Die Diskussion ist, wenn es um Trennschärfe kommunal, land- und privat kirchlich geht, glaube ich, vorbei.“
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Non heart beating donor: Ein Europäisches Konzept- In Deutschland machbar?
Fünf Minuten ohne Herzschlag – reicht das aus, um einen Menschen für tot zu erklären und seine Organe zu entnehmen? In mehreren europäischen Ländern ist eine Organspende nach dauerhaftem Kreislaufstillstand bereits möglich, in Deutschland dagegen verboten. Prof. Dr. Stephan Brandt, stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Neurologie an der Berliner Charité, machte deutlich, worin das Problem liegt: Nach fünf Minuten sei zwar nicht mehr mit einer spontanen Wiederkehr des Kreislaufs zu rechnen. Das Gehirn könne zu diesem Zeitpunkt aber durchaus noch funktionsfähiges Gewebe aufweisen. „Permanent ist nicht gleich irreversibel“, betonte Brandt. Ob die DCD die Zahl der Organspenden tatsächlich deutlich erhöhen könnte, ließ Brandt offen. Erfahrungen etwa aus Spanien seien wegen der unterschiedlichen Versorgungsstrukturen nur begrenzt übertragbar. Entscheidend sei letztlich, ob die Bevölkerung Vertrauen in ein solches Verfahren habe.
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Warten auf den Termin – Mythos und Realität der Facharztversorgung
Mehr Facharzttermine durch verpflichtende Meldungen? Björn-Ingemar Janssen vom Verband der Ersatzkassen (vdek) sprach sich für ein gemeinsames Terminverzeichnis aller gesetzlich Versicherten aus. „Das wird wahrscheinlich nicht ohne eine Verpflichtung gehen“, sagte er. Zugleich müssten Patienten stärker nach medizinischer Dringlichkeit gesteuert werden. Dafür brauche es eine elektronische Überweisung mit klarer Priorisierung, digitale Ersteinschätzung und mehr Delegation ärztlicher Aufgaben. Deutlichen Widerspruch gab es von Dr. Peter Heinz, stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns. „Die Terminkapazitäten, die ich melde, kommen ja nicht on top drauf“, hielt er entgegen. Allein den bayerischen Fachärzten würden jährlich Leistungen im Wert von rund 412 Millionen Euro nicht vergütet. Weitere Sparmaßnahmen würden die Versorgungskapazitäten verringern und Wartezeiten verlängern. Die Politik könne nicht gleichzeitig Leistungen kürzen und zusätzliche Termine versprechen.
Wie sich der Facharztbereich entlasten ließe, zeigte Dr. David Wachabauer von der Gesundheit Österreich GmbH. Dort soll die telefonische Gesundheitsberatung Patienten gezielter durch die Versorgung lotsen. Zugleich baut Österreich multiprofessionelle Primärversorgungseinheiten aus. Erste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass dadurch Facharztkontakte zurückgingen. Wachabauer warnte allerdings davor, eine verpflichtende hausärztliche Steuerung einzuführen, bevor die Primärversorgung ausreichend gestärkt sei. Andernfalls drohe lediglich eine Verlagerung der Wartezeiten.
Moderiert wurde die Session von Prof. Dr. Bernd Griewing, Vorstand der Rhön-Stiftung.
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Geschlossen mithilfe des Transformationsfonds
50 Milliarden Euro sollen den Umbau der deutschen Krankenhauslandschaft ermöglichen. Doch bislang kommt der Transformationsfonds nur langsam in Gang. Markus Algermissen, Präsident des Bundesamtes für Soziale Sicherung, berichtete von 65 Förderanträgen mit einem Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro. Davon seien erst 13 Anträge über insgesamt 664 Millionen Euro bewilligt. Peter Lechner vom Bayerischen Gesundheitsministerium erklärte, warum aus dem Freistaat noch kein Antrag eingegangen sei: Man wolle erst dann Fördermittel beantragen, wenn die Projekte tatsächlich startklar seien. Denn spätestens zwei Jahre nach der Bewilligung müsse mit der Umsetzung begonnen werden. Krankenhausstandorte zu schließen, sei dabei keineswegs das vorrangige Ziel. „Schließung ist das letzte Mittel“, betonte Lechner. Vielmehr gehe es darum, Leistungen zu konzentrieren und wirtschaftlich tragfähige Strukturen zu schaffen.
Wie schmerzhaft ein solcher Umbau werden kann, schilderte Bruno Damann, Vorsteher des Gesundheitsdepartements im Schweizer Kanton St. Gallen. Dort wurden mehrere Krankenhäuser geschlossen und durch ambulante Gesundheitszentren ersetzt. Besonders drastisch: Ein Krankenhausneubau wurde praktisch unmittelbar vor seiner Eröffnung zur Schließung vorgesehen. „Da haben wir etwa 60 Millionen in den Sand gesteckt“, räumte er ein. Zudem hätten Krankenhäuser teilweise früher als geplant schließen müssen, weil Beschäftigte nach der Ankündigung abwanderten. Dennoch zog er eine positive Bilanz: Nach hohen Verlusten schreibe der Spitalverbund inzwischen wieder schwarze Zahlen. „Man wird auch wiedergewählt, wenn man Spitäler schließt.“
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Wer will noch Vollzeit? Wie Krankenhäuser Arbeitszeit zurückgewinnen
Ein drängendes Thema, in das Moderator Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Deutscher Privatkliniken e. V., in dieser sehr gut besuchten Session einführte.
Judith Hantl-Merget, Pflegedirektorin und Mitglied der Geschäftsleitung der RoMed Kliniken Stadt und Landkreis Rosenheim, plädierte dafür, den Wunsch der jüngeren Generation nach Work-Life-Balance ernst zu nehmen. „Ansonsten nehme ich in Kauf, dass das Personal geht.“ Mehr Flexibilität und Verbindlichkeit würden letztlich zum Erfolg führen. „Wer mitgestalten darf, trägt letztendlich den Plan mit.“
„Am Ende ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich, eine Atmosphäre zu schaffen, in der gern gearbeitet wird“, sagte Fabian Scholz, Co-Founder und Managing Director der WTE Charkos GmbH. Eine gute Arbeitsatmosphäre spiele auch bei der internationalen Rekrutierung von Fachkräften eine Rolle. Sein Unternehmen vermittelt Fachkräfte aus Indien. „Wir haben bei 100 Prozent der Beschäftigten, die wir vermitteln, eine Vollzeitquote und Verbleib bei demselben Arbeitgeber.“ Voraussetzung für den Erfolg sei allerdings, dass alle Beteiligten die Projekte sorgfältig planten und vorbereiteten.
Wie sehen die Zahlen aus? Sarah Kuhn, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, stellte fest: „Ausländische Krankenhausbeschäftigte arbeiten eher selten in Teilzeit. Während es bei den deutschen Beschäftigten eher mehr werden.“ Das Beschäftigungswachstum werde damit fast ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen, sowohl bei der Zahl der Beschäftigten als auch beim Arbeitsvolumen. Zugleich wollten immer mehr Krankenhausbeschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren.
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Public Health: Private Capital?
„Wer investiert (noch gerne) ins Gesundheitswesen?“, fragte Moderator Stefan Friedrich, Partner Public Sector & Healthcare bei der KPMG AG. Dr. Francesco de Meo, CEO der AImaxDOC GmbH, hält die Lage angesichts der Reformen derzeit für „zu unberechenbar“. So wurde die Hybrid-DRG eingeführt, um die Ambulantisierung zu fördern. § 115f entfällt zum 1.1.2028. Auch Teile des beschlossenen GKV-Spargesetzes seien wieder kassiert worden. „Das Kapital scheut Unberechenbarkeit“.
Für den ambulanten Bereich sieht Sibylle Stauch-Eckmann, Vorsitzende des Bundesverbands der Betreiber Medizinischer Versorgungszentren e. V. (BBMV), durchaus Potenzial. Entscheidend sei allerdings die Haltedauer. Anne Margo Reintsema, Managing Director der AMG Companions GmbH, erläuterte, wie die Niederlande privates Kapital über die Vergütung steuern. Ihr Ansatz: Mut zum Preis statt Mut zum Verbot. „In Holland fragen wir nicht, wer investieren darf, sondern was eine Leistung wert ist.“ Die Aufsichtsbehörde NZa kontrolliere Anbieter und Versicherer und berücksichtige dabei auch das Kapital.
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Ukraine als Vorbild: Wie man in Dauerkrisen standhaft bleibt
Den Mutigen gehört die Zukunft! Der Auftakt dieser bewegenden Abschluss-Session des EGKM zeigte es sehr eindrücklich: Dr. Igor Kukhar berichtete von seinem Einsatz als Arzt und onkologischer Chirurg am Städtischen Onkologiezentrum in Kyjiw. Er schilderte die Nacht des 24. Februar 2022, als Schüsse, Raketen, Explosionen und Sabotagegruppen die Klinik angriffen. „Das Krankenhaus war die ganze Zeit über in Betrieb, auch wenn Operationen verschoben und Therapien abgesagt werden mussten“, so Kukhar. „Ein entscheidender Faktor für unsere Widerstandsfähigkeit war die Verfügbarkeit voll funktionsfähiger Schutzräume.“ Hunderte Kinder und Erwachsene mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen wurden in Kliniken in München, Berlin und anderen Städten versorgt. Heute werde in der Klinik abhängig von der jeweiligen Bedrohungslage operiert.
„Was raten Sie uns, um in so einer Dauerkrise standhaft zu bleiben?“, fragte Moderator und Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. h. c. Karl Max Einhäupl. Kukhar betonte die Bedeutung dezentraler Lagerung und schneller Einsatzbereitschaft: „Medikamente und Versorgungsgüter sollten nicht zentral oder an einem einzigen Ort gelagert werden. Dann sollte es kurzfristig gelingen, medizinisches Personal und Ausrüstung zu mobilisieren. Kliniken sollten Stresstests durchlaufen. Medizinisches Personal muss darauf vorbereitet sein, unter Notfallbedingungen zu arbeiten.“
Wie es um das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz steht, das eine historische Lücke in der zivilen und militärischen Krisenvorsorge des deutschen Gesundheitssystems schließen soll, erläuterte Ines Perea, Leiterin der Unterabteilung Gesundheitssicherheit und Resilienz im Bundesministerium für Gesundheit: „Es warten alle auf dieses Gesetz, das kann ich sehr gut verstehen. Wir haben aber innerhalb der Regierung ein System, wo es erst eine Vorabstimmung zwischen den drei Koalitionsfraktionen gibt.“ Eine solche Vorabstimmung sei bei Gesetzesvorhaben üblich.
Elzbieta Voigtländer, Ministerialrätin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, beschrieb die Zusammenarbeit mit dem Bund aus bayerischer Sicht als „wunderbar“. Das Gesundheitssicherstellungsgesetz sei notwendig, doch „die Grundlage, auf der wir im Moment arbeiten, ist relativ dünn“. Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm, plädierte für eine bessere Koordination zwischen Bund und Ländern. Der „Narzissmus der kleinen Unterschiede zwischen den Bundesländern“ führe dazu, dass wir Gefahr laufen, Aufgaben doppelt oder dreifach zu erledigen. Er warnte davor, dass die eigentlich leistungsfähigen Strukturen in Deutschland dadurch nicht effektiv genug genutzt würden.
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Ein letzter Höhepunkt auf der EGKM-Bühne: Beim IHK Expo & Slam 2026 wurde das Start-up ausgezeichnet, das mit seiner Idee das Gesundheitswesen voranbringen will.
Gewonnen hat Sorala! Das intelligente Sensorsystem dient der Dekubitusprävention und hilft, vermeidbare Druckwunden zu verhindern. Herzlichen Glückwunsch!
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Rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort und weitere rund 600 in den Online-Sessions diskutierten unter dem Motto „Den Mutigen gehört die Zukunft!“, wie sich das Gesundheitswesen trotz wachsender finanzieller Belastungen zukunftsfähig gestalten lässt.
Doch der 25. Europäische Gesundheitskongress lebte nicht nur von den Diskussionen auf den Podien. Schon am Vorabend bot das XQT-Entscheiderforum Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zum Knüpfen neuer Kontakte. Auch während der beiden Kongresstage gab es abseits des offiziellen Programms reichlich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam etwas zu erleben. Frühaufsteher starteten beim Lauftreff durch den Olympiapark in den Tag. Auch für Bewegung und Entspannung war gesorgt: Bei der Neuroathletik mit Vitrea konnten die Teilnehmer Verspannungen lösen und neue Energie für den Kongresstag tanken. Beim Impfpass-Check konnten sie ihren eigenen Impfstatus und den ihrer Familienangehörigen überprüfen lassen und sich persönlich beraten lassen. Zum Abschluss ging es bei einer außergewöhnlichen Stadtführung mit Schauspielern in historischen Kostümen auf eine unterhaltsame Zeitreise durch die Münchner Altstadt.
Ein besonderer Höhepunkt war natürlich die Feier zum 25-jährigen Jubiläum: Bei Live-Musik von Giacomo di Benedetto, typisch bayerischem Essen und Getränken wurde im Kongressfoyer bis in die Nacht hinein geredet, gelacht und auf ein Vierteljahrhundert Europäischer Gesundheitskongress angestoßen. Gerade diese Begegnungen jenseits von Rednerpult und Konferenzsaal machen für mich einen wesentlichen Teil des Kongresses aus. Denn oft entstehen die besten Ideen dort, wo Menschen ungezwungen miteinander ins Gespräch kommen.
Für mich persönlich war dieses Jubiläum ein ganz besonderer Höhepunkt. In 25 Jahren habe ich viele intensive Debatten und inspirierende Begegnungen erlebt. Doch eine solche Begeisterung und Aufbruchstimmung wie in diesem Jahr habe ich selten gespürt. Besonders bewegt hat mich der Auftritt von Kardinal Marx. Er hat uns daran erinnert, wie wichtig es ist, über die eigenen Fachgrenzen hinauszuschauen und das Gespräch mit der Gesellschaft zu suchen. Genau das treibt mich seit den Anfängen dieses Kongresses an: Fragen zu stellen, die nicht immer bequem sind, und sich nicht mit den üblichen Antworten zufriedenzugeben. Auch künftig wollen wir Debatten anstoßen, Denkmuster hinterfragen und Menschen zusammenbringen. Nach diesen beiden Tagen bin ich mehr denn je überzeugt: Die Herausforderungen sind groß. Aber gemeinsam können wir sie bewältigen.
