Was die elektronische Patientenakte leisten kann – und warum das noch dauert…

Die Krankenkassen haben von der langsamen Umsetzung der elektronischen Patientenakte genug. Nachdem die „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“, kurz: Gematik, seit dem Jahr 2005 vergebens an der Vision einer elektronischen Gesundheitskarte gearbeitet, aber gleichwohl rund 1,7 Milliarden Euro dafür ausgegeben hat, befinden sich nun gleich drei Systeme elektronischer Patientenakten (ePA) in der Einführungsphase.

Die Aktivitäten der Kassen haben gute Gründe: Denn es ist unumstritten, dass die ePA Kosten senkt und die Versorgung verbessert. Experten gehen davon aus, dass sich der Beitragssatz bei optimaler Nutzung der ePA um bis zu 3,7 Prozent senken ließe. In vielen Ländern Europas, wie Dänemark, Schweden, Finnland, Österreich, der Slowakei und Estland, ist die ePA deshalb längst Realität. Auch der Digitalkonzern Apple bietet mit seinem System „Health Records“ seit dem vergangenen Frühjahr so etwas an, denn auch die Nachfrage der Patienten nach elektronischer Archivierung ihrer Gesundheitsdaten steigt.

Bereits vor zwei Jahren hat der private Krankenversicherer Axa und CompuGroup Medical die Plattform "Meine Gesundheit" gegründet, die auch eine elektronische Patientenaktie bereitstellt. Im vorigen Jahr haben sich auch der PKV-Marktführer Debeka und die Versicherungskammer Bayern beteiligt und Anfang dieser Woche hat auch die HUK-Coburg verkündet dabei zu sein.

Doch auch in der GKV sind die Kassen aktiv: Im März und im Juli ließen die AOKn in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zwei ePA-Pilotprojekte unter der Bezeichnung „Digitales Gesundheitsnetzwerk“ online gehen. Die Techniker Krankenkasse stellte im April ihr gemeinsam mit IBM entwickeltes ePA-Projekt „TK-Safe“ vor. Und im Juli stellte ein Konsortium aus 90 Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen ihre gemeinsame Plattform „Vivy“ vor. Etwa 25 Millionen Versicherte können „Vivy“ per App nutzen – unter anderem der DAK-Gesundheit, der Innungskrankenkassen IKK classic, IKK Nord und IKK Südwest sowie der Betriebskrankenkassen pronova BKK, BKK Gildmeister Seidensticker, BKK Stadt Augsburg, BKK Melitta Plus, Bertelsmann BKK, BKK HMR, BKK Dürkopp Adler, BKK Diakonie, Heimat Krankenkasse und mhplus. Aus der PKV sind dabei: die Allianz Private Krankenversicherung und die Barmenia sowie ab Februar 2019 auch die Gothaer.

Doch die technischen Standards sind unterschiedlich. Kritiker, etwa der Marburger Bund, fürchten, wenn Patienten ihre Daten nicht von Kasse zu Kasse mitnehmen könnten, werde das Recht auf freie Wahl der Krankenkasse ausgehebelt und somit Wettbewerb behindert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bereits einen Gesetzentwurf vom Bundeskabinett beschließen lassen, der vorsieht, dass die Gematik die elektronischen Patientenakten zertifizieren soll, um einen ungehinderten Kassenwechsel sicherzustellen und ausreichenden Datenschutz zu gewährleisten. Regeln dafür soll die Gematik bis Ende des Jahres vorlegen – obwohl sie sich damit seit 2005 so schwer getan hat.

Was eine digitale Gesundheitsakte mit dazugehörigen App alles leisten kann, diskutieren unter dem Titel "Hallo, ich bin Vivy - die neue Gesundheitsakte stellt sich vor!" auf dem Europäischen Gesundheitskongress: Dr. Hajo K. Hessabi, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit, und Christian Rebernik, CEO und Co-Founder der Vivy GmbH.

Zu dem zweitägigen Kongress werden rund 1.000 Teilnehmer aus dem Krankenhaussektor, den Reha-Einrichtungen, der Ärzteschaft, der Pflege, den Krankenversicherungen sowie der Gesundheitspolitik erwartet. In 33 hochkarätig besetzten Kongress-Sessions diskutieren 150 Referenten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Estland und den Niederlanden zukunftsrelevante Fragen der Gesundheitspolitik. Nutzen Sie die Gelegenheit, mit den wichtigsten Entscheidern aus Politik, Verbänden, Versicherungen, Wissenschaft, Medizin, Pflege und Gesundheitswirtschaft zu diskutieren.

Melden Sie sich am besten gleich an:
www.gesundheitskongress.de/registrierung-und-tarife.html

Das Programm finden Sie unter:
www.gesundheitskongress.de/programm-17.html

Dieser Kongress bringt die Sektoren im Gesundheitswesen zusammen. Seien Sie im Oktober dabei. Wir freuen uns auf Sie!

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