Pflegefachkräfte aus dem Ausland: Ein Albtraum, wenn sie wieder gehen…

Sie gelten als ein Rettungsanker gegen den Kollaps in der Pflege: Die Zahl ausländischer Pflegefachkräfte in Deutschland hat sich binnen fünf Jahren fast versechsfacht. Waren es 2012 noch 1.500 Pflegefachkräfte mit einem ausländischen Abschluss, wurden 2017 schon 8.800 solcher Mitarbeiter gezählt. Die Konzertierte Aktion Pflege will diese Entwicklung jedoch noch beschleunigen. Denn Experten rechnen damit, dass bis 2025 rund 150.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden.

Eine Studie warnt nun: Genauso wichtig wie die Gewinnung neuer Mitarbeiter seien Anstrengungen, sie auch zu halten. Oft würden die Krankenhäuser, die neu migrierte Pflegefachkräfte gewonnen haben, davon überrascht, dass diese nach kurzer Zeit in ihr Herkunftsland zurückkehren oder in andere EU-Staaten abwandern. Die Ursache seien vielfach Versäumnisse der Arbeitgeber.

So seien deutsche Kliniken oft nicht darauf eingestellt, dass ausländische Pflegefachkräfte zumeist an eine anspruchsvollere Tätigkeit gewohnt seien, als sie in Deutschland auszuüben hätten. Denn während die Pflegefachkräfte hierzulande nach ihrer dreijährigen Berufsausbildung auch für Tätigkeiten wie beispielsweise das Waschen von Patienten oder das Bettenmachen zuständig seien, hätten die ausländischen Pflegefachkräfte hingegen meistens in ihren Herkunftsländern eine akademische Ausbildung absolviert. Diese ziele vor allem auf medizinnahe Tätigkeiten und eine enge, oft stark kooperativ ausgerichtete Zusammenarbeit mit Ärzten ab.

Auch mit der Integration ausländischer Mitarbeiter stehe es oft nicht zum Besten: So würden etwa Pflegefachkräfte mit Migrationshintergrund deutlich seltener an Absprachen im Kollegenkreis beteiligt als deutsche, so die Studie. Nur 14 Prozent der zugewanderten Pfleger würden von den Vorgesetzten - unabhängig von ihrer beruflichen Qualifikation - in tägliche Besprechungen einbezogen. Währenddessen seien es bei deutschen Mitarbeitern 37 Prozent. Und während 18 Prozent der deutschen Pflegefachkräfte angaben, mindestens einmal pro Woche unbezahlte Überstunden machen zu müssen, waren es bei immigrierten Pflegekräften 41 Prozent.

Das Thema "Pflegekräfte und Auszubildende anwerben und richtig integrieren" diskutieren auf dem Europäischen Gesundheitskongress München: Theresa Dizon-De Vega, Botschafterin der Republik der Philippinen, Sigrid Rand, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Thorsten Rolfsmeier, Leiter des Geschäftsbereichs Internationaler Personalservice bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, Rubina Doglod, Pflegekraft an der München Klinik, und Amar Rahmanovic, ebenfalls Pflegekraft an der München Klinik.

Beim Europäischen Gesundheitskongress München am 26. und 27. September 2019 treten rund 150 Referenten auf, die zu den Vordenkern im Bereich der Gesundheitsversorgung gehören. Sie bieten Lösungen für die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen, denen sich Krankenhäuser, Reha-Kliniken, niedergelassene Ärzteschaft, Pflege und die gesamte Gesundheitswirtschaft zu stellen haben.

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