Notfallversorgung: Vehikel zur Strukturbereinigung? Eisbrecher der sektoralen Spaltung?

Im April hat der Gemeinsame Bundesausschuss tiefgreifende Beschlüsse zur Neuorganisation der Notfallversorgung gefasst: 628 Kliniken, mehr als ein Drittel aller deutschen Krankenhäuser, sollen kein Geld mehr für die Bereitstellung von Versorgungskapazitäten von Notfallpatienten erhalten. Die entsprechenden Vergütungszuschläge entfallen für sie – jedenfalls sofern sie nicht innerhalb einer Frist von drei Jahren bestimmte strukturelle Anpassungen vornehmen. Für Kliniken in ländlichen Regionen ist eine Sonderregelung vorgesehen. Nach einer vom Gemeinsamen Bundesausschuss veranlassten Untersuchung würden trotzdem auch künftig 99,6 Prozent aller Deutschen eine Notaufnahme innerhalb von 30 Minuten erreichen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte den Beschluss scharf und rief die für die Krankenhausplanung zuständigen Bundesländer dazu auf, „die teilweise überzogenen Kriterien nicht anzuerkennen“. Ein Vertreter des Katholischen Krankenhausverbands brandmarkte den Beschluss gar als „Instrument zur ökonomisch induzierten Strukturbereinigung“ im Krankenhausmarkt.

Doch das ist nicht alles: Im Juli hat der Sachverständigenrat Gesundheit ebenfalls weitreichende Vorschläge für eine Reform der Notfallversorgung vorgelegt. Der Rat plädiert für die Einrichtung „Integrierter Notfallzentren“, in denen Kliniken und Niedergelassene mit einer gemeinsamen Vergütungsordnung kooperieren und Notfallpatienten eine gemeinsame Anlaufstelle bieten. Der Ratsvorsitzende hob hervor, man sehe dabei die Notfallversorgung „als Eisbrecher“ für eine sektorenübergreifende Angebotsplanung. Er monierte, das Modell der vor Jahren eingeführten ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung für Schwerkranke sei weitgehend gescheitert, weil sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft gegenseitig blockiert hätten. Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl von Patienten, die ohne Grund in die Notfallambulanzen kommen, soll sich nun vieles grundlegend ändern.

Was die Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses und die Vorschläge des Sachverständigenrates für die Kliniken bedeuten und welche Optionen deutsche Krankenhäuser haben, diskutieren unter dem Titel „Notfallmedizin nach G-BA-Beschluss und Sachverständigenratsgutachten“ auf dem Europäischen Gesundheitskongress München: Prof. Dr. Harald Dormann, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Fürth, Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Dr. Brigitte Wrede, AG Krankenhausplanung/Notfallversorgung der Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin, und Prof. Dr. Christoph Dodt, Chefarzt am Klinikum München Bogenhausen und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin.

Zu dem zweitägigen Europäischen Gesundheitskongress werden rund 1.000 Teilnehmer aus dem Krankenhaussektor, den Reha-Einrichtungen, der Ärzteschaft, der Pflege, den Krankenversicherungen sowie der Gesundheitspolitik erwartet. In 33 hochkarätig besetzten Kongress-Sessions diskutieren 150 Referenten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Estland und den Niederlanden zukunftsrelevante Fragen der Gesundheitspolitik. Nutzen Sie die Gelegenheit, mit den wichtigsten Entscheidern aus Politik, Verbänden, Versicherungen, Wissenschaft, Medizin, Pflege und Gesundheitswirtschaft zu diskutieren.

Melden Sie sich am besten gleich an:

www.gesundheitskongress.de/registrierung-und-tarife.html

Das Programm finden Sie unter:

www.gesundheitskongress.de/programm-17.html

Dieser Kongress bringt die Sektoren im Gesundheitswesen zusammen. Seien Sie im Oktober dabei. Wir freuen uns auf Sie!

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