Krankenhausvergütung im Ländervergleich: Lehren aus Corona

„Noch ist Zeit, aus unseren Fehlern zu lernen und unser Gesundheitssystem besser und krisentauglicher zu machen“, sagt Klaus Holetschek, der neue Staatssekretär des Bayerischen Gesundheitsministeriums, und fügt hinzu: „Auf die lange Bank sollten wir das nicht schieben. Denn das nächste Virus kommt bestimmt.“ Besonders die Fallpauschalen in der Krankenhausvergütung sind dem Politiker ein Dorn im Auge: „Wir wissen aus Studien, dass diese Art der Abrechnung das Personal in Medizin und Pflege oft an den Rand der Verzweiflung treibt und Patienten auch schaden kann.“ Holetschek setzt sich dafür ein, Personalreserven in Medizin und Pflege aufzubauen – aber in Fallpauschalen ist eine solche Art der Daseinsvorsorge nicht vorgesehen.

Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie musste der Gesetzgeber das Fallpauschalensystem in Deutschland aushebeln, um Reservekapazitäten für Corona-Erkrankte zu schaffen: Es wurde eine Freihaltepauschale von 560 Euro für leere Betten eingeführt. Doch diese reichte den Maximalversorgern nicht annähernd aus, während Grundversorger auf dem Land damit kräftig Gewinn machten. Eine im September publizierte Studie der Universität Hamburg im Auftrag der Techniker Krankenkasse plädiert deshalb ebenfalls für eine Reform: „Die Erfahrung mit der Gewährung undifferenzierter Pauschalen unterstreicht die Wichtigkeit einer zielgerichteten, an der Versorgungsstufe und regionalen Lage eines Krankenhauses ausgerichteten Vergütungsstruktur. Die Erfahrungen mit der Pandemie sollten daher als Auftakt für eine Neuordnung der Vergütung des stationären Sektors dienen.“

Wie aber kann ein Vergütungssystem effizient und krisenfest zugleich gestaltet werden? Der Europäische Gesundheitskongress München vergleicht Ansätze in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Beispiel Schweiz: Hier sind die Fallpauschalen auf dem Vormarsch: Obwohl die Schweizer Spitäler durch Corona Milliardenverluste einfuhren, hat sich die Gesundheitskommission des Nationalrats erst vor ein paar Tagen dafür ausgesprochen, Fallpauschalen auch für ambulante Behandlungen in Kliniken einzuführen. Mehr noch: Das zum Teil stärker marktwirtschaftlich ausgerichtete System der Schweiz läuft auf eine drastische Marktbereinigung zu. Mit der vom Schweizer Bundesrat geplanten Revision der Verordnung zum Krankenversicherungsgesetz soll das Preisniveau der Fallpauschalen so weit abgesenkt werden, dass nur noch 25 Prozent der Spitäler ihre Kosten mit den künftigen Tarifen decken können, 75 Prozent würden Verluste machen – während es derzeit jeweils 50 Prozent sind. Das komme einem Kahlschlag gleich, kritisiert der Verwaltungsratspräsident einer Schweizer Klinikkette.

Unter dem Titel „Krankenhausvergütung: Was ändert sich durch Corona?“ diskutieren beim Europäischen Gesundheitskongress: Prof. Dr. med. Karl-Walter Jauch, Vorstandsvorsitzender des Klinikums der Universität München, Dr. med. Günther Koderhold, Abgeordneter zum Wiener Landtag, Dr. Willy Oggier, Präsident von SW!SS REHA und Geschäftsführer der Züricher Gesundheitsökonomische Beratungen AG, Prof. Dr. med. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Mitglied im Vorstand des Marburger Bunds, sowie Klaus Holetschek, MdL, Staatssekretär des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege.

An drei Tagen, vom 26. bis 28. Oktober, stehen viele weitere spannende und kontroverse Themen auf der Agenda des Europäischen Gesundheitskongress München. Dazu gehören die Lehren aus Corona, die künftige Struktur des Krankenhausmarkts verbunden mit einem Blick nach Dänemark, die Standortpolitik vor dem Hintergrund von Lieferengpässen sowie die Krise der Rehakliniken.

Erstmals findet der Kongress als digitale Veranstaltung statt. Alle Sessions werden als Webseminar via GoToWebinar im Internet übertragen. Die Teilnahme ist kostenlos, nur eine Online-Registrierung ist erforderlich. Sie kann unter folgender Adresse vorgenommen werden:

www.gesundheitskongress.de/teilnahme

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