Homeoffice: Schöne neue Arbeitswelt für alle?

Ein unglaublicher Zufall bescherte der DAK Gesundheit hochinteressante Daten zum Thema Homeoffice: Eine Untersuchung der Krankenkasse dazu war im vergangenen Dezember und Anfang Januar – also vor der Pandemie –durchgeführt worden. Die Studienautoren hoben sich die Daten auf und machten Ende April und Anfang Mai dieses Jahres die gleiche Befragung erneut. Die Analyse ist nun, so die DAK, „die einzige Vorher-Nachher-Messung zu Digitalisierung und Homeoffice“.

Die Ergebnisse dürften enormes Gewicht in der Debatte darüber erhalten, ob mit der Zulassung eines Corona-Impfstoffes das Homeoffice auf seine ursprünglichen Ausmaße zurückgestutzt wird. Vieles spricht bislang dafür: So hat eine Studie des Münchner Ifo-Instituts ergeben, dass 27 Prozent der befragten Unternehmen die Produktivität ihrer Arbeitnehmer im Homeoffice während der Pandemie geringer einschätzten. Nur 5,7 Prozent bemerkten eine Steigerung.

Die Arbeitnehmer sehen das Homeoffice laut der DAK-Untersuchung hingegen positiv: Jene Befragten, die erstmalig regelmäßig im Homeoffice arbeiteten, zeigten eine hohe Arbeitszufriedenheit und berichteten von einer deutlich verbesserten Work-Life-Balance. Im Dezember 2019 sei noch mehr als ein Fünftel der Befragten meistens oder während der gesamten Arbeitszeit gestresst gewesen, im April nur noch 15 Prozent, so die Studie. Eine Mehrheit von 59 Prozent arbeitete im Homeoffice zudem nach eigenen Angaben produktiver oder eher produktiver als am normalen Arbeitsplatz. Aber stimmt diese Selbsteinschätzung wirklich? Der bekannte Buchautor und Forscher Dr. Christian Busch weist darauf hin, dass zur Kreativität der glückliche Zufall gehört: „Serendipität“. Doch wo bleibt der Zufall bei durchstrukturierten Webgesprächen - wird er uns geraubt?

„Arbeitnehmer empfinden das Homeoffice als Entlastung – und zwar in weit größerem Maße als vermutet“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Corona bringt einen Durchbruch für das Homeoffice. Die positiven Erfahrungen aus der Hochphase der Krise sollten zum Startschuss für nachhaltige Homeoffice-Konzepte werden.“

Die Gewerkschaften sehen das auch so. Viele Beschäftigte wünschten sich mehr Selbstbestimmung darüber, wie und wo sie arbeiten, heißt es von Gewerkschaftsvertretern. Den Arbeitnehmern gehe es vor allem darum, durch den Wegfall des Arbeitsweges wertvolle Zeit zu gewinnen. Die größte Gefahr des Homeoffice sehen die Gewerkschaften darin, dass im Homeoffice eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben verloren gehe. Immerhin 47 Prozent der Arbeitnehmer beklagten laut DAK-Studie genau das.

In einer Online-Veranstaltung des Europäischen Gesundheitskongresses diskutieren das Thema unter dem Titel „Schöne neue Arbeitswelt für alle?“: Hans Dieter Nolting, Geschäftsführer der IGES Institut GmbH, Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK Gesundheit, Dr. Markus Gruber, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Dr. Sabine Maaßen, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektorin der AUDI AG (angefragt), Johannes Ganser, Vorstandsmitglied der HanseMerkur Krankenversicherung, Dr. Christian Busch, Direktor des CGA Global Economy Program der New York University, Prof. Dr. Jörn Loviscach, Professor für Ingenieurmathematik und technische Informatik an der Fachhochschule Bielefeld, Svenja Thelen, Leiterin des Fachbereichs Jugend des DGB Bayern und - als Moderator - PD Dr. Dominik Pförringer, Digital Health Experte und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum rechts der Isar der TU München.

Die Veranstaltung findet am Montag, dem 14. Dezember 2020 von 10:00 bis 12:00 Uhr statt.

Das Webseminar wird via GoToWebinar im Internet übertragen. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmelden können Sie sich per E-Mail an team@wiso-news.de unter Angabe Ihres Namens und Ihrer Firma.

Wir freuen uns auf Sie!

 

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