Europäischer Gesundheitskongress: Aufbruch der Gesundheitssysteme

Die Große Koalition werde mit dem zweiten geplanten eHealth-Gesetz sicherstellen, dass die verschiedenen Systeme elektronischer Patientenakten miteinander kompatibel sein, so dass Patienten auch zukünftig problemlos die Kassen wechseln und dabei ihre Gesundheitsdaten mitnehmen können. Das erklärte Tino Sorge (CDU), Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, heute beim Europäischen Gesundheitskongress in München. Es würden dafür Standards gesetzt, die zukunftsfähig sein müssten.

Hintergrund ist, dass gesetzliche Krankenkassen derzeit drei verschiedene Systeme elektronischer Gesundheitsakten einführen, die aber mangels gemeinsamer Standards noch nicht miteinander kompatibel sind. Das größte Konsortium aus 90 Krankenkassen stellt seine Gesundheitsaktie „Vivy“, die auch über eine Smartphone-App zugänglich sein wird, heute Nachmittag auf dem Kongress der Öffentlichkeit vor. Vivy wird für 25 Millionen Versicherte zur Verfügung stehen.

Der Europäische Gesundheitskongress schaute bei seiner Eröffnungsveranstaltung nach Dänemark, wo derzeit die gesamte Krankenhauslandschaft umgebaut wird. Sieben Superkliniken der Maximalversorgung werden neu gebaut und weitere elf modernisiert und ausgebaut. Julian Weyer, Partner des Architekturbüros C.F. Møller, stellte die Superklinik Aarhus vor, den derzeit größten Klinikneubau in Europa. Sie ist der Prototyp für die anderen Neubauten.

Bei der Konzeption habe sich, so Weyer, „alles geändert“. Weyer erläuterte den Ansatz „evidenzbasierter Krankenhausplanung“: So hätten Studien beispielsweise gezeigt, dass möglichst viel Ruhe Patienten bei der Genesung ebenso helfe wie die Anwesenheit von Angehörigen. Als Konsequenz hat die Superklinik in Aarhus nur Einzelzimmer für jeden Patienten. Darin gebe es aber immer ein Klappbett, auf dem Angehörige übernachten können.

Ein wesentliches Planungskriterium sei, dass eine Klinik nach 10 Jahren Planungs- und Bauzeit bei der Eröffnung aus medizinischer Sicht oft bereits wieder veraltet sei. Der gesamte Bau sei daher so ausgelegt worden, dass Erweiterungen, Umbauten oder der Einbau zusätzlicher technischer Logistik mit möglichst geringem Aufwand möglich sind.

Der gesamte Bau sei außerdem mit vorab vorgenommenen „komplexen Ablauftests“ geplant worden, bei denen sämtliche künftigen Arbeitsprozesse auf den Stationen und den Arbeitsplätzen vorher in Modellumgebungen getestet worden sind.

Eine der Krankenhausaufnahme vorgeschaltete Notfallambulanz sorge ganz gezielt dafür, „Patienten aus dem Krankenhaus herauszuhalten“. Sie vermeide damit die missbräuchliche Inanspruchnahme der Notfallmedizin.

Die Amtschefin des bayerischen Gesundheitsministerium, Ruth Nowak, erläuterte auf dem Europäischen Gesundheitskongress den Beschluss der Staatsregierung vom Sommer, nach dem Bayern, so wie im vergangenen Jahr, auch in den kommenden fünf Jahren jeweils 643 Millionen Euro für Investitionsförderung in Krankenhäusern zur Verfügung stellen werde. Das seien in der kommenden Legislaturperiode insgesamt drei Milliarden Euro. „Jeder Krankenhausträger der eine Förderung braucht, bekommt sie. Darum beneiden uns viele“, so Nowak.

Zu dem zweitätigen Europäischen Gesundheitskongress München treffen sich rund 1.200 Teilnehmer, vor allem aus dem deutschsprachigen Raum. In 33 hochkarätig besetzten Kongress-Sessions diskutieren 150 Referenten zukunftsrelevante Fragen der Gesundheitspolitik. Etliche der Referenten stellen richtungsweisende Projekte aus anderen Ländern dar, wie Jos de Blok, Gründer und CEO der niederländischen Pflegeorganisation Buurtzorg, deren humane Arbeitsprinzipien sich derzeit über die ganze Welt ausbreiten, Sandra Särav, vom CIO Office des Estnischen Wirtschaftsministeriums, die berichtet, wie das kleine Land so erfolgreich mit der Digitalisierung wurde, oder George Mao von PZ Invest in Shanghai, der über Investitionen deutscher Klinikbetreiber in China spricht.

Das Motto des Kongresses lautet in diesem Jahr „Aufbruch im Gesundheitswesen“. Denn überall in Europa und der Welt stehen gravierende Veränderungen des Gesundheitswesens an. Die digitale Revolution, die demografische Entwicklung und steigende Ausgaben zwingen die Gesundheitspolitik, die Leistungserbringer und die Kostenträger dazu, traditionelle Strukturen aufzubrechen. Gesundheitssysteme, denen es nicht gelingt, digitalisierte und telematische Medizin, Integrierte Versorgung und eine nachhaltige Finanzierung zu etablieren, werden zum Scheitern verurteilt sein. Ein Aufbruch der traditionellen Systemstrukturen ist deshalb unumgänglich-

Redaktionen, freies Bildmaterial von der Eröffnungsveranstaltung finden Sie unter:

https://tinyurl.com/egkm2018

Weitere Infos finden Sie unter: www.gesundheitskongress.de

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