Arztinformationssystem: Nüchterne Information, Verordnungssteuerung oder Innovationsbremse?

Noch ist nicht klar, wie das vom Gesetzgeber beschlossene Arztinformationssystem genau funktionieren soll. Doch feststeht: Wenn der Arzt mit seiner Praxissoftware ein Medikament für den Patienten auswählt, soll er künftig auch jene Informationen sehen, die bei der frühen Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses erstellt worden sind. Die Intention des Gesetzgebers ist klar: Die Erkenntnisse über Medikamente aus der Nutzenbewertung spielen heute bei Verschreibungen im Praxisalltag kaum eine Rolle, das zeigt die Statistik. Das System solle künftig darauf hinweisen, wie Arzneimittel so eingesetzt würden, dass das Gesundheitssystem nicht überfordert werde, heißt es vorsichtig aus dem Gesundheitsministerium.

Ärzteorganisationen kritisieren, das Arztinformationssystem könnte als Instrument zur Verordnungssteuerung missbraucht werden – etwa auch bei Wirtschaftlichkeitsprüfung gegenüber Ärzten. Das Ministerium weist dies zurück, doch der Grat ist äußerst schmal: Der Arzt, das hat Staatssekretär Lutz Stroppe kürzlich unumwunden eingeräumt, solle „über Preise und Wirtschaftlichkeit Bescheid wissen, um eine informierte Entscheidung treffen zu können“.

Es ist absehbar, dass es hier zu einem Dauerstreit um Therapiefreiheit kommt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt aber auch vor einem möglicherweise noch schwerer wiegenden Missverständnis, das Patienten Innovationen vorenthalten könnte: Fehlende Studien für bestimmte Patientengruppen führen bei der frühen Nutzenbewertung zu dem Urteil, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist. Dies dürfte, so die KBV, jedoch keinesfalls a priori mit tatsächlich nicht vorhandenem Nutzen gleichgesetzt werden.

Unter dem Titel „Visionen oder Disruptionen in der Patientenversorgung der Zukunft?“ diskutieren das Thema: Dr. Julian Quodbach, Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Dr. Jürgen Bausch, Ehrenvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Jana Aulenkamp, Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, Michael Grintz, Inhaber der Bienen Apotheke Laimer Platz in München, und Stefan Höcherl, Leiter Stabsstelle Digitalisierung und Allianzen beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller sowie Fabian Demmelhuber, Leiter Referat Versorgungskonzepte & Zusatzverträge der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.

Zu dem zweitägigen Kongress werden rund 1.000 Teilnehmer aus dem Krankenhaussektor, den Reha-Einrichtungen, der Ärzteschaft, der Pflege, den Krankenversicherungen sowie der Gesundheitspolitik erwartet. In 33 hochkarätig besetzten Kongress-Sessions diskutieren 150 Referenten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Estland und den Niederlanden zukunftsrelevante Fragen der Gesundheitspolitik. Nutzen Sie die Gelegenheit, mit den wichtigsten Entscheidern aus Politik, Verbänden, Versicherungen, Wissenschaft, Medizin, Pflege und Gesundheitswirtschaft zu diskutieren.

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Das Programm finden Sie unter:
www.gesundheitskongress.de/programm-17.html

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